> Borreliose Lorenz

Martina Lorenz
Fachärztin für Neurologie & Psychiatrie
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Simeonsplatz 17
32423 Minden

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Borreliose, oxidativer Stress, Neurotransmitter und psychiatrische Symptome

Im Rahmen einer chronischen Borrelioseerkrankung kommt es zur Ausbildung von vielfältigen psychiatrischen
Auffälligkeiten. Im Vordergrund dabei stehen Symptome wie Depressionen, Ängste bis hin zu Panikattacken, Schlafstörungen, Müdigkeit, Antriebsmangel, Reizbarkeit,  Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
Auch Wortfindungsstörungen, Denkstörungen, Schreibstörungen und Koordinationsstörungen können dazu gehören. Nicht selten liegt ein chronifiziertes Schmerzsyndrom vor.

Dabei geschieht es leider immer wieder, dass Betroffene als psychosomatisch krank an den Psychiater verwiesen werden. Auch werden Erkrankte nicht selten gedrängt, eine psychosomatische Rehabilitation in einer Klinik zu absolvieren.

In dem folgenden Artikel möchte ich  darstellen, wie es  im Rahmen einer chronischen Infektionserkrankung wie der chronischen Borreliose zu psychischen Erkrankungsbildern kommen kann, ohne das ein Nachweis von Borreliose-AK im Liquor  geführt werden konnte und somit eine Neuroborreliose ausgeschlossen wurde. 

Als eine mögliche Erklärung könnten die Neurotransmitter und ihre Rezeptoren eine entscheidende Rolle spielen.
Neurotransmitter  sind chemische Substanzen, die die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen vermitteln.
Diese Botenstoffe müssen in einem ausgewogenen Verhältnis vorhanden sein und bestimmen somit maßgeblich unsere Stimmung und Leistungsfähigkeit.

Bei der Bildung der  klassischen Neurotransmitter spielen Aminosäuren eine zentrale Rolle.
So wirken zum Beispiel Psychopharmaca  über eine Beeinflussung der Neurotransmitterkonzentration oder an den Rezeptoren selbst.

Beispiele:

Die Aminosäure L-Tryptophan ist Ausgangssubstanz für die Serotonin- und Melatoninbildung.
In bestimmten Zellen der Darmschleimhaut, in der Leber und in der Milz sowie im ZNS vollzieht sich die Synthese. Lediglich 1% der bioverfügbaren Menge von Tryptophan wird zu Serotonin verwandelt. Damit Tryptophan ins Gehirn gelingen kann, muss  es die Blut-Hirn-Schranke passieren. Dort konkurrieren jedoch viele andere Aminosäuren miteinander. Kohlehydrate erhöhen die Chance, dass Tryptophan  die Schranke passiert. Dies erklärt auch den Heißhunger auf Süßigkeiten  bei Serotoninmangel.
Der größte Teil an Tryptophan steht für die Immunantwort zur Verfügung. Somit ist auch erklärlich, warum es bei chronischen Entzündungen zu einer mangelhaften Serotoninsynthese kommt, da das Tryptophan für die Zytokinbildung verbraucht wird.
Serotonin ist ein Neurotransmitter mit vielfältigen Funktionen: Er steuert die Stimmung, wirkt aufhellend, schmerzhemmend und entspannend. Es reguliert aber auch die Weite der Blutgefäße, regt die Darmperistaltik an, fördert die Blutgerinnung. Zudem regelt es den Schlaf, das Gedächtnis und erhöht die Schmerzschwelle.
Bei anhaltenden Stressreaktionen vermindert sich die Serotoninkonzentration mit der Folge von Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Esstörungen, Gewichtszunahme, chronischer Erschöpfung, Angstzuständen, Migräne, Störungen der Aufmerksamkeit und  Depressionen.

Serotonin selbst ist die Vorstufe zu Melatonin. Es  reguliert den Schlaf-Wachrythmus und fungiert als Radikalfänger .

Dopamin ist einer der bedeutensten Neurotransmitter, der zur Gruppe der Katecholamine ( Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin) gehört.  Ihre Synthese erfolgt im Nebennierenmark. Dopamin wird aus der Aminosäure Tyrosin gebildet. Es ist  an der  Bewegungssteuerung , der Motivation, an Emotion, Lernen und Gedächtnis beteiligt. Ein Dopaminüberschuss bei gleichzeitigem Serotoninmangel führt zu einem Fatigue-Syndrom, ein Mangel hingegen zu Muskelschwäche, Antriebsmangel, Aufmerksamkeitsstörung, Vergesslichkeit, Libidoverlust und Depressionen.
Tyrosin ist weiterhin Vorläufer von Thyroxin (T4 = Schilddrüsenhormon) und Melanin
(Hautfarbstoff).

Der Neurotransmitter  Noradrenalin wird ebenfalls im Nebennierenmark aus den Aminosäuren Tyrosin und Phenylalanin gebildet .
Auch sie ist maßgeblich an der Entstehung von depressiven Erkrankungen beteiligt. Noradrenalin fördert die Aufmerksamkeit und Konzentration, sie ist wichtig für die räumliche und örtliche Orientierung, sie steigert den Blutdruck und den Appetit. Sie erhöht die Entzündungsneigung kurzfristig, hemmt aber langfristig die Aktivität der Immunzellen.
Eine andauernde Stressbelastung  führt zunächst zu erhöhten Noradrenalin-Werten. Gleichzeitig sinkt in Folge die Cortisol-und Serotoninausschüttung mit den Symptomen eines Burn-out-Syndromes.

Glutaminsäure ist eine Aminosäure, die im zentralen Nervensystem gleichzeitig auch als Neurotransmitter fungiert. Das Salz Glutamat ist einerseits wesentlich an der Verarbeitung von Sinnesreizen, der Steuerung von Bewegungen, an Lernen und Gedächtnis beteiligt, andererseits ist es  neurotoxisch und führt  im Falle eines Überschusses  zu Stress, innerer Unruhe, und Depression.
Im Rahmen von zahlreichen neurodegenerativen Erkrankungen ( Alzheimer, M. Parkinson, vasculäre Demenz, ALS) sind glutamaterge Fehlfunktionen beteiligt
Als erregender Botenstoff ist sie ein Antagonist zu jGABA.                                                         
                                                                                                                                        
GABA = Gamma-Amino-Buttersäure wird aus Glutaminsäure gebildet und ist der wichtigste dämpfende  Neurotransmitter. Tranquillizer und Alkohol binden an einem GABA-Rezeptor  und entfalten dadurch eine beruhigende Wirkung. Bei Stressreaktionen hat GABA einen beruhigenden Effekt, indem es die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse hemmt.(Stressachse)

Auch die Aminosäure Glycin ist  gleichzeitig ein Neurotransmitter. Auch sie wirkt erregungsdämpfend und als Co-Agonist an Glutamatrezeptoren hat sie einen positiven Einfluss auf Gedächtnis und Aufmerksamkeit.

Der Neurotransmitter Acetylcholin vermittelt die Erregungsleitung zwischen Nerv und Muskel und ist für die  Gedächtnisleistung unentbehrlich.
Acetylcholin wird gebildet aus den Aminosäuren Glycin und Serin.

No (Stickstoffmonoxid) ist ein weiterer Neurotransmitter. Er entsteht aus der Oxidation der Aminosäure  Arginin, unter Bildung von No und Citrullin. No ist zwar ein wichtiges Element, welches in zahlreichen Stoffwechselprozessen eine Rolle spielt,eine erhöhte No-Bildung wirkt sich jedoch gravierend auf die Funktionsfähigkeit verschiedener Organe aus, denn No ist ein  Freies Radikal!  Ursachen einer erhöhten N0-Produktion sind Chemikalien, Schwermetalle, Medikamente wie Antibiotika, Nikotin, physischer und psychischer Stress, Bewegungsmangel oder starke körperliche Belastung.
Auch Stickstoffdünger in der Landwirtschaft, Lebensmittelzusätze, Konservierungsstoffe, Blattgemüse und Wurzelgemüse und viele Kohlehydrate begünstigen die Anhäufung von No. (1.)
Aber auch Entzündungsreaktionen wie bei einer chronischen Borreliose, mit der vermehrten Freisetzung von  Zytokinen wie IL 1, IL 6, IL 8, TNF-alpha, IFN gamma, lösen eine vermehrte No-Produktion aus.

In letzter Zeit wurden bei verschiedensten psychiatrischen Erkrankungen, vor Allem bei der Depression, erhöhte Konzentrationen dieser  Zytokine nachgewiesen.
Auch wurden in  zahlreichen Studien bei der Entstehung von Depressionen, Angst-und Zwangserkankungen, Psychosen, aber auch bei der Alzheimer- Demenz und der Parkinson - Erkrankung  Veränderungen des Neurotransmittermetabolismus nachgewiesen. ( 2,3,4,5)

Das freie Radikal No hemmt Enzyme der mitochondrialen Atmungskette
(Mitochondrien = Kraftwerk einer Zelle)   
Dadurch kommt es zu einem Mangel oder gar Verlust von ATP (Energie). Dieser ATP-Verlust betrifft vor allem Zellen mit einem hohen Energiebedarf wie Muskelzellen, Nervenzellen, Herzmuskelzellen und Immunzellen.
Im Extremfall kann dieses zu einem Absterben der Zelle führen. Das Energiedefizit  bewirkt außerdem, dass Aminosäuren, Fette und Eiweiß nicht mehr energetisch verwertet werden. Auch Fettsäuren und Kohlehydrate  können nicht mehr adäquat abgebaut werden.      ( Citratcyclus = der zentrale Stoffwechsel in unserem Körper) .

Eine No-Synthesesteigerung hat auch negative Auswirkungen auf die Entgiftungssysteme: Es kommt zu einer   Anhäufung von toxischen Metaboliten. ( Durch Blockierung der Glutathionsynthese).
Durch No kann durch eine Blockierung des Cholesterinabbaues in der Leber eine diätresistente Hypercholesterinämie entstehen.
Da Vitamin B12 ist ein direkter Gegenspieler des No ist, führt eine ständige No Erhöhung  zu einem Mangel an diesem Vitamin. Bei einem derartigen Mangel kommt es zu einer Anhäufung  von Homocystein ( cardiovasculärer Risikofaktor) sowie zu einer weiteren Schwächung des Citratcyclus.
No erhöht  zudem die Entzündungsbereitschaft des Körpers! Diese Entzündungsreaktionen laufen dann auch ohne  Anwesenheit eines Erregers ab und befallen vor allem Gelenke, Wirbelsäule und Haut.
No erhöht die Histaminbildung. Die Durchlässigkeit der Blut-Hirnschranke wird erhöht und es steigert die Bildung von krebserregenden Nitrosaminen. (1.)                                                           
No zeigt eine starke Affinität zu eisenhaltigen Enzymen. Das macht unser Nervensystem auch so extrem anfällig für oxidativen Stress. Einerseits dadurch, dass die Oligodendrozyten stark eisenhaltig sind und es einen hohen Gehalt an Membran-Fettsäuren gibt  und andererseits dadurch, dass im Nervensystem wenig  Antioxidantien zur Verfügung stehen. Erkrankungen wie der M.Parkinson, die Demenz, Chorea, MS und ALS werden hiermit in Zusammenhang gebracht.
Bei der Schizophrenie  ergeben sich Hinweise auf eine Deregulierung der freien Radikale, dies führt zu instabilen Membranstrukturen und in Folge zu einer Veränderung der Signalübertragung durch die Neurotransmitter (6.)

So entsteht laut einer These von Prof. Dr. Palll durch einen  No-Überschuss das Folgeprodukt Peroxinitrit.
Peroxinitrit ist hochtoxisch, hemmt die Atmungskette, zerstört die Mitochondrienmembranen und lagert sich an aromatische Aminosäuren an. Es stört somit  den  Tryptophan -, Phenylalanin - und Tyrosinstoffwechsel durch Nitrosylierung dieser Aminosäuren.!!!!

In der Folge wird durch diese Prozesse die Bildung der entsprechenden Neurotransmitter gestört und es kann zu einer Dysbalance kommen!
Nach der These von Prof. Dr. Pall können diese komplexen Funktionsstörungen  depressive Zustände, Schlafstörungen, Ängste, Zwänge, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und anderen  psychiatrische Störungen erklären. Auch  Symptome wie das chronische Müdigkeitssyndrom, die multiple Chemikalienunverträglichkeit und die Fibromyalgie können in der Folge entstehen.

Die unzureichende Energiekapazität äußert sich zudem  in einer extremen physischen und psychischen Erschöpfung mit immer länger werdenden Erholungsphasen. Ausdauerleistungen sind kaum noch möglich.
Die Betroffenen leiden unter einer chronischen Immunschwäche  mit rezidivierenden und therapieresistenten  Infekten.

Diese Stoffwechselstörungen können eine Erklärung für viele Symptome sein, die im Rahmen der chronischen Borreliose vorkommen.
Bei vielen meiner Patienten mit chronisch persistierender Borreliose konnte ich  Neurotransmitterstörungen
nachweisen.
Auch findet sich bei der überwiegenden Mehrheit dieser Patienten ein Mangel an Vitamin B 12 !
Bei vielen Patienten konnte im Urin eine erhöhte Ausscheidung an Citrullin , Methylmalonsäure und  Nitrophenylessigsäure nachgewiesen werden, welches auf nitrosativen Stress, bzw. auf einen Vit. B 12-Mangel
hindeutet.

Unser Gehirn ist im Vergleich zu anderen Körpergeweben außerordentlich empfindlich gegenüber oxidativem Stress. Die Ursache liegt zum einen an einer vermehrten Produktion von Sauerstoffradikalen bei gleichzeitig verminderter Aktivität und Kapazität antioxidativer Schutzsysteme. Aufgrund der nur sehr geringen Fähigkeit der Neurone, sich regenerieren zu können, kommt es zu einem langsamen Kumulationseffekt. Somit führen Zellschäden, die im Laufe der Zeit entstehen, zu unaufhaltsam krankhaften Schäden. Neurodegenerative und entzündliche Erkrankungen können die Folge sein. (7.)
Wie entstehen die freien Radikale in unserem Gehirn?
Das Gehirn benötigt 20 % des gesamten O2-Bedarfes des Körpers, die Atmungskette der Mitochondrien reduziert das O2 zu H2O.  Ca. 5 % werden jedoch nicht reduziert und es entsteht Superperoxid. Antioxidantien, wie z.B das Gluthation, Vit. C,E und das Q 10 verwandeln es wieder zu H2O . Diese Antioxidantien sind jedoch im ZNS nur sehr wenig vorhanden und so entsteht insbesondere unter Anwesenheit von Eisen und Kupfer aus dem Superperoxid Wasserstoffperoxid. Dieses schädigt die Membranen, Nukleinsäuren und Proteine. Insbesondere ist eine bestimmte Zellart im ZNS gefährdet. So enthalten die so genannten Oligodendrozyten ( bilden die Myelinscheiden) eine hohe Konzentration an Eisen!  Aber auch die so genannten dopaninergen Neurone sind besonders gefährdet. In ihnen vollzieht sich die Bildung und der Abbau von den Katecholaminen (s.o.), unter Entstehung von Superoxidanionen.
Kommt es nun im Gehirn zu einer Steigerung der Produktion dieser Radikale wie durch chronische Entzündungen oder Umweltgifte, so aktiviert unser Körper so genannten Mikrogliazellen, Makrophagen und Monozyten im Gewebe und diese Zellen produzieren bei Aktivierung erneut freie Radikale!

Diese Zusammenhänge könnten erklären, wie es zu zahlreichen psychischen Funktionsstörungen kommen kann. Die chronische Borreliose macht auch die Psyche krank!
Die Neuroborreliose ist eine Entzündung, die sich direkt im ZNS abspielt.
Borrelien können aber indirekt über Immunreaktionen und Stoffwechselstörungen das Gehirn negativ beeinflussen.
Immer wieder konnte in zahlreichen Studien nachgewiesen werden, dass Infektionserkrankungen wie die Syphillis, Hepatitis C, die Borrelien, das Epstein-Barr-Virus, das  Borna-Virus, Mycoplasmen etc. psychiatrische Erkrankungen auslösen können.
Ihre Ursachen liegen sicherlich nicht in den gestörten Neurotransmittern alleine, es spielen multiple Interaktionen schädlicher Einflüsse auf das Gehirn sowie sicherlich auch eine genetische Disposition eine Rolle.

Es muss endlich aufhören, dass an chronischer Lyme-Borreliose Erkrankte als psychosomatisch oder psychisch krank hingestellt werden. Begriffe wie die „Internet Neurose“ dürfen nicht weiter in diesem Zusammenhang genannt werden.

Bemerkung:  Die häufigste Todesfolge bei der Lyme Borreliose ist unverändert der Suizid!

Literaturangaben:

  1. Pall,M.L,2007
  2. Sarandol A et al,2007
  3. Michel TM et al, 2007
  4. Ng F et al 2008
  5. Berk M et al,2008
  6. Fendri,Mehri,Khiari, Othmann, Kerkeni, Gaha
  7. O.Ullrich,T.Grune ,2001

Martina Lorenz, FÄ Neurologie / Psychiatrie, Orthomolekularmedizin

 

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